Heilige und Märtyrer der Russischen Kirche aus Deutschland
Die russischen Kirchen in Hamburg und Lübeck sind dem Hl. Prokop von Ustjug, dem Narren in Christo, geweiht. Der Hl. Prokop stammte aus Lübeck und lebte Ende des 13. Jh. zunächst als Hansekaufmann in Nowgorod, wo er die Orthodoxie kennenlernte. Unter dem Einfluß seines geistlichen Vaters, des Mönches Walaam, trat er in Nowgorod ins Kloster ein und widmete sich ganz dem Gebet. Als er die Bewunderung seiner Mitbrüder auf sich zog, verließ er das Kloster und zog in die Einsamkeit des hohen Nordens nach Ustjug. Den Menschen der Stadt war er verhaßt, da er ständig vom Tod predigte und sie zur Liebe ermahnte. Bis zu seinem Ableben im Jahre 1303 lebte er in Ustjug unter freiem Himmel. Gegen die Kälte im Winter hatte er keinen anderen Schutz als das Gebet und die schützende Hand Gottes, der Herr deckte ihn mit dem „Schirm seiner Flügel“ (Ps.16/17,8).
Noch zwei weitere – weniger bekannte – Heilige der Russischen Kirche stammen aus Deutschland: der Selige Isidor von Rostow, der Narr in Christo und Wundertäter (11474), und der Hl. Johannes von Rostov, der Mildtätige (11581). Auch diese bei den Heiligen hatten – wie der Hl. Prokop – die Form höchster Askese gewählt und lebten als „Narren in Christo“. Diese Form der Askese und völligen Hingabe an Gott ist im Westen unbekannt geblieben, doch unter russischen Heiligen nicht selten anzutreffen. Der „Narr in Christo“ lebt tagsüber ohne Dach über dem Kopf, in Lumpen gekleidet, von den Menschen verspottet und verfolgt. Die Nacht verbringt er im Gebet für die Menschen, die ihn verspotten (1. Kor., 4,10-12).
Viele orthodoxe Deutsche sehen in den Heiligen Neumärtyrerinnen – der Zarin Alexandra und der Großfürstin Elisabeth – ihre Schutzheiligen. Sie waren Schwestern und stammten aus dem Hause Hessen-Darmstadt. Die Märtyrer-Zarin Alexandra (Prinzessin Alice-Viktoria), die Gemahlin des letzten Zaren Nikolaus II., und ihre Schwester, die Großfürstin Elisabeth (Prinzessin Elisabeth, sie war mit Großfürst Serge Alexandrovic verheiratet), wurden am 17. und 18. Juli 1918 von den Bolschewiken ermordet. Im Jahre 1981 wurden sie mit Tausenden von Märtyrern und Blutzeugen als Opfer der kommunistischen Diktatur der Schar der „Neumärtyrer und Bekenner Rußlands“ zugerechnet. Die neue Kathedralkirche in München ist dem Gedächtnis dieser Neumärtyrer geweiht.
Als Glaubenszeuge und Vorbild wird – speziell in der Münchner Gemeinde – auch der Student Alexander Schmorell gesehen. Er war Mitbegründer der „Weißen Rose“ und Mitglied der Münchner russischen Gemeinde. 1917 in Rußland geboren, lebte er seit l92O als Sohn eines rußlanddeutschen Vaters und einer russischen Mutter in München. Er wuchs unter dem Einfluß seiner russischen „Njanja“ (Kinderfrau) auf, die ihn in der Tradition der orthodoxen Kirche erzog. Aus tiefer christlicher Überzeugung heraus wurde Alexander Schmorell zum Widerstand gegen das Naziregime motiviert und begründete mit den Geschwistern Scholl der Kreis der „Weißen Rose“. Am Tag seiner Hinrichtung empfing er die Kommunion von seinem langjährigen Beichtvater, Archimandrit Alexander, dem späteren Erzbischof von Berlin und Deutschland. In seinem Abschiedsbrief bekannte sich Alexander Schmorell noch einmal zu seiner christlichen Motivation des Widerstandes. Von vielen Gläubigen wird er als Märtyrer verehrt.
Bilder:
oben: Hl. Neumärtyrerin Elisabeth, Großfürstin von Rußland in Nonnenkleidung. Gedenktag 5./18. Juli.
Mitte: Hl. Märtyrerzarin Alexandra Feodorowna von Rußland, Gattin des Hl. Märtyrerzaren Nikolaus ll. Gedenktag 4./17. Juli.
unten: Alexander Schmorell, Mitbegründer der „Weißen Rose“, von den Nazionalsozialisten am 13. Juli 1943 hingerichtet.
Verfasser: Georg Seide, Ottobrunn
Bildnachweis: Kloster d. Hl. Hiob
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- 6 Mai, 2008 / 5:41
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- Zeugnis
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